Kategorie - #weeklycamaro

Jeden Dienstag erfahren Sie hier mehr zu einem zentralen Werk aus Alexander Camaros interdisziplinärem Oeuvre. Neben Gemälden und Grafiken, stellen wir Ihnen auch Fotos, Prosa und Lyrik, Filmwerke, Objekte und Archivdokumente vor.

Folgen Sie #weeklycamaro auf Facebook und Instagram

Every Tuesday you will get to learn more about a central work from Alexander Camaro’s interdisciplinary oeuvre. In addition to paintings and graphics, we also present photos, prose and poetry, film works, objects and archive documents.

Follow #weeklycamaro on Facebook and Instagram

#5

#weeklycamaro #5 ist ein grafisches Werk: Im *Zwiegespräch* zeichnet Camaro aus feinen Linien eine abstrahierte Bühnensituation, die in ihrem spielerischen Bildaufbau, den gekippten Flächen, den Mustern und kleinen Schnörkeln an die Bildsprache des berühmten französischen Malers Henri Matisse erinnert. Obwohl die beiden Figuren durch die räumliche Gliederung im Bild voneinander getrennt sind, scheinen sie doch miteinander zu kommunizieren – ein Zwiegespräch zu führen.
Die caféartigen Tische in der Bildmitte sind mit Bleistift durchgestrichen, was vermuten lässt, dass die Zeichnung als Vorstudie für das gleichnamige Ölgemälde diente. Auf diesem sind die Stühle tatsächlich nicht mehr eingefügt.

[Alexander Camaro, Zwiegespräch, 1946, Tinte auf Papier © Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2021]

 

[EN]
#weeklycamaro #5 is a graphic work: In *Dialogue* (*Zwiegespräch*) Camaro draws an abstracted stage situation from fine lines, which refers to the visual language of the famous French painter Henri Matisse by its playful image structure, the tilted surfaces, the patterns and small ornaments. Although the two figures are separated from each other by the spatial arrangement in the painting, they seem to communicate with each other – they carry on a dialogue.
The café-like tables in the center of the painting are crossed out in pencil, suggesting that the drawing served as a preparatory study for the oil painting of the same name and year. On this one, the chairs are actually no longer inserted.

#4

Im insgesamt 6 Meter breiten und 2,50 Meter hohen Triptychon „Luftschaukel“ interessierte Camaro besonders der Moment der Bewegung. In sechs abstrahierten Schaukeln schwingen Figuren mit wehenden Haaren und Kleidern durch die Lüfte. Die auf die Leinwand gespritzte, zerlaufende Farbe wirkt dabei wie die sichtbar gemachten Schwunglinien und unterstreicht den rasanten Eindruck der drei großformatigen Gemälde.

Auch wenn der Jahreswechsel diesmal nicht ganz so ausgelassen sein konnte, hoffen wir, ihr seid froh und fröhlich ins Neue Jahr geschwungen! 2021 kann in vielerlei Hinsicht hoffentlich nur besser werden – wir freuen uns darauf, wenn wir euch wieder bei uns begrüßen können!

[Alexander Camaro, Luftschaukel, Triptychon, 1986, Acryl auf Leinwand © Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2021]

 

[EN]

In the 6 meters wide and 2.50 meters high triptych *Air swing* (*Luftschaukel*) Camaro was interested in the moment of movement. In six abstracted swings, figures with blowing hair and clothes fly through the air. The splashed paint on the canvas seems to make the swing lines visible and underlines the fast-paced impression of the three large-format paintings.

Even though the coming turn of the year can’t be quite as wild this time, we hope you had a happy and joyful *swing* into the New Year! 2021 can hopefully only get better in many ways – we are very much looking forward to welcoming you again!

#3

Unser #weeklycamaro #3 entstand 1991, nur ein Jahr vor Camaros Tod. Mit dem abstrakten Gemälde schuf Camaro eine Neuauflage eines Bildes von 1933. In einem zerfließenden, transparenten Farbauftrag entsteht eine abstrakte Schneelandschaft. Die Staffelung der vertikalen und horizontalen Linien und Formen kreiert ein Bildraum, in dem eine schwarze Figur platziert ist.

Das nur noch als Foto erhaltene Gemälde von 1933 erzählt uns mehr: In einer einsamen Landschaft sehen wir zwei Figuren, deren Beziehung zueinander durch die Fußspuren des sich entfernenden Mannes angedeutet ist. Die Frau lehnt gebeugt gegen einen Baum. Die starken Kontraste und Schlagschatten unterstreichen die Emotionalität der Abschiedsszene.
Das Gemälde erzählt zwar von Abschied, aber auch von Camaros ersten malerischen Anfängen – ganz so als wollte Camaro hier noch einmal betonen, dass jedem Ende auch immer etwas Neues innewohne.

Mehr dazu finden Sie auch im Ausstellungskatalog MALER. MENTOR. MAGIER. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau (deutsche und polnische Ausgabe), erhältlich hier.

[1: Alexander Camaro, Abschied – Winter, 1991, Acryl auf Leinwand © Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2020; 2: Alexander Camaro, Schneelandschaft – Abschied, 1933, heute verschollen, Foto von Paul Reissert © Camaro Stiftung]

 

[EN]

Our #weeklycamaro #3 was created in 1991, one year before Camaro’s death. With this abstract painting Camaro created a new version of a painting from 1933. The melting, transparent color forms an abstract snowy landscape. The staggering of vertical and horizontal lines and shapes creates a pictorial space in which a black figure is placed. The 1933 painting, preserved only as a photograph, tells us more: in a lonely landscape we see two figures whose relationship to each other is indicated by the footprints of the man moving away. The woman leans against a tree. The strong contrasts and drop shadows underline this emotionally depicted farewell scene.

The painting tells of farewell, but also of Camaro’s first attempts at painting – as if Camaro wanted to emphasize that every end also means a new beginning.

Find out more in our exhibition catalog MALER. MENTOR. MAGIER. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau (in German or Polish), available here.

 

 

 

#2

Im Gemälde Artistinnen von 1947 vollführen zwei Frauen Luftakrobatik in schwindelerregender Höhe. Der Bildausschnitt wirkt wie ein Zoom in eine hölzerne Bühnenarchitektur. Links von ihnen lehnt eine Harlekinfigur lässig mit erhobenem Arm an einem Holzpfosten. Durch die auf dem Kopf stehenden Artistinnen kommt Bewegung ins Bild – als Betrachtende sind wir versucht, selbst den Kopf zu neigen, um die vielen verschiedenen Blickwinkel im Bild einzufangen.
Könnte das Gemälde vielleicht sogar andersherum aufgehängt werden? Wäre in jedem Fall ein Perspektivwechsel!
Camaro bezieht sich hier auch auf seine frühe Vergangenheit: Mit gerade mal 16 Jahren schloss er sich einer Zirkustruppe an und arbeitete als Clown und Hochseilartist.

Mehr Infos finden Sie z.B. im Ausstellungskatalog „Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt“, 2020, erhältlich hier.

[Alexander Camaro, Artistinnen, 1947, Öl auf Leinwand, Foto: Eric Tschernow © Camaro Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn 2020]

 

[EN]
In the painting Artistinnen (Acrobats) from 1947, two women perform aerial acrobatics at dizzying heights. The detail of the picture looks like a zoom into a wooden stage architecture. To their left, a harlequin figure leans casually with raised arm against a wooden post. The upside-down positions of the acrobats bring movement into the picture – as viewers, we are tempted to tilt our heads ourselves in order to capture the many different angles in the picture.
Could the painting perhaps even be hung the other way around? Would be a change of perspective in any case!
Camaro also refers here to his early past: at just 16, he joined a circus group and worked as a clown and high-wire artist.

Find more in the exhibition catalogue “Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt”, 2020 [in German only], available here.

#1

Unser #weeklycamaro #1 ist Camaros „Schaubudenmädchen“ von 1949. Das puppenhafte Mädchen ohne Unterleib – ein Motiv der Vergnügungsparks der Belle Epoque – findet sich häufig in Camaros Werk, oft mit einer doppelbödigen Moral. Wie in der Programmnummer „Die Dame ohne Unterleib“ des Künstlerkabaretts *Die Badewanne*, das Camaro 1949 mitbegründete: Dort schreit das Mädchen dem habgierigen Budenbesitzer ihren Hass entgegen – als emanzipierter Akt der Befreiung.

Mehr Infos finden Sie z.B. im Ausstellungskatalog „Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt“ 2020, erhältlich hier.

[Alexander Camaro, Schaubudenmädchen, 1949, Öl auf Leinwand, 116 x 76 cm, Foto: Eric Tschernow © Camaro Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn 2020]

 

[EN ]
Our #weeklycamaro #1 is Camaro’s “show booth girl” from 1949. The doll-like girl without abdomen – a characteristic motif of the amusement parks of the Belle Epoque – is often found in Camaro’s work, most of the time with ambiguous morals. As in the program number „The Lady without Abdomen“ of the artists‘ cabaret *The Bathtub*, which Camaro co-founded in 1949: There the girl screams her hatred towards the greedy stall owner – as an emancipated act of liberation.

Find more in the exhibition catalogue “Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt” 2020 [in German only], available here.