Journal

#28

In unserem #weeklycamaro #28 ist der Portier in einer ungewohnten Tätigkeit dargestellt: er stützt sich mit seinen Oberarmen auf dem Tisch ab und sein Kopf ist nach vorne gebeugt.
Das Werk „Der Portier“ gehört zum 19teiligen Bilderzyklus „Hölzernes Theater“. In dem Bilderzyklus hielt Camaro Eindrücke und Einblicke der Theaterwelt aus seiner Zeit in Gotha fest: Momente auf, hinter und vor der Bühne. In Anlehnung an das Welttheater, das „Theatrum mundi“, wird das Theater zum Mikrokosmos. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, unter schwierigsten Lebensbedingungen entstanden, sind die leeren Bühnen dieser Serie seine Reaktion auf das Erlebte.

»Hier ist die Stätte der Lust und des Schmerzes. Des Lebens und des Todes. (…) Ein Himmel über Dir, in Dir. Eine Hölle um Dich. Hier im hölzernen Theater wie aussen im Leben.« (AC)

Dieses Werk und weitere aus dem Bilderzyklus „Hölzernes Theater“ sind noch bis zum 08.10.2022 in der Ausstellung „Ruth Walz – Die ganze Welt ist ein Theater“ bei Grisebach zu sehen.

[Alexander Camaro, Der Portier (Hölzernes Theater), 1946, Tempera auf Karton, 84,9×60,3cm ©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn ]

[EN]

Our #weeklycamaro #28 shows an unusual behavior of a porter: sitting on a chair, he leans with his upper arms on the table, his head bent forward.

The painting belongs to the series „wooden theatre“. In the „wooden theatre“ Camaro shows impressions from his time in Gotha: moments on stage, backstage and besides stage. Concerning the world theatre the theatre turns into a microcosmos. Shortly after the Second World War, created under the most difficult conditions, the empty stages of the „wooden theatre“ are Camaro´s reaction to what he experienced.

„Here is the place of pleasure and pain. Of life and death. (. . .) A sky above you, in you. Hell around you. Here in the wooden theatre as on the outside in life“. (AC)

#27

Das großformatige Gemälde „Eingang zur Orientschau“ von 1974 wird von einer puppenhaft reduzierten Profilfigur in der Bildmitte dominiert. Etwas weiter im Hintergrund in der linken Bildhälfte platzierte der Künstler eine helle Frauenbüste auf einem blau-weißlichen Sockel. Mit diesen zwei Figuren, werden zwei Themen der Jahrmarktattraktionen zusammenführt: die wiederkehrend in Camaros Werken auftretende „Dame ohne Unterleib“, die oft in Schaubuden zu sehen war, und eine dunkelhäutige Figur, die stellvertretend für Völkerschauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts „Orientschauen“ genannt wurden, steht. Der Künstler greift in der malerischen Auseinandersetzung mit diesen Scheinwelten auf Erinnerungen von Jahrmarktbesuchen seiner Jugendzeit in Breslau zurück.

Unser #weeklycamaro #27 ist zugleich das Titelbild der Retrospektive „Alexander Camaro: Die Welt des Scheins“ und ist in der Ausstellung neben mehr als 100 weiteren Werken Camaros im Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld ab dem 02.10.2022 zu sehen.

[Alexander Camaro, Eingang zur Orientschau, 1974, Aquatec, Acryl, Kohle auf Leinwand, 200 × 160 cm
© Camaro Stiftung]

[En]

“Entrance to the Orientschau” from 1974 is dominated by a doll-like reduced profile figure in the middle of the painting. A little further in the background left side, the artist placed a bright female bust on a blue-white pedestal. With this figures two themes of the fair’s attractions are merged: the recurring “Lady without Belly” in Camaro’s works, which was often seen in show booth, and a dark-skinned figure representing folk shows called “Oriental shows” at the beginning of the 20th century. In his painterly exploration of these fictional worlds, the artist draws on memories of fairgroundvisits from his youth in Wroclaw.

Our #weeklycamaro #27 is also the cover of the retrospective “Alexander Camaro: Die Welt des Scheins” and can be seen in the exhibition alongside more than 100 other works by Camaro at the Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld. (02.10.2022-26.02.2023)

 

#26

Alexander Camaro vollendete das Gemälde „Sommer der Najade“ durch den Halbjahreswechsel zwischen Berlin und Sylt innerhalb eines größeren Zeitraums. Die Entstehung des Gemäldes ist in Sequenzen des Kurzfilms Sommer der Najade (von 1972-73) festgehalten. Dort halten sich Renata und Alexander Camaro in ihrem Atelier in Sylt auf. Es zeigt ihr symbiotisches Miteinander: Renata rührt die Farben an und Alexander arbeitet am Werk. Am Ende des Kurzfilms stehen sie vor dem noch unvollendetem Gemälde. Alexander Camaro überlegt, es „Sommer der Sirene“ zu betiteln und Renata antwortet, dass sie „Sommer der Najade“ besser findet.

[Alexander Camaro, Sommer der Najade, 1972-78, Öl auf Leinwand, 245x290cm
© Camaro Stiftung]

[EN]

Alexander Camaro completed the painting „Summer of Najade“ by the half-yearly change between Berlin and Sylt within a longer period. The creation of the artwork is partly recorded in the short film „Summer of Najade“ (from 1972-73): Alexander and Renata Camaro working in their studio in Sylt. There, the symbiotic working process is shown. While Renata stirring the colours, Alexander working on the painting. At the end of the short film both stand in front of the still unfinished painting and think about the title. Alexander suggests calling the painting „Summer of Siren“ and Renata replies that she prefers „Summer of Najade“.

 

 

#25

Unser #weeklycamaro „gefiederte Schlange“ steht exemplarisch für eine Reihe von Arbeiten mit dem Schwerpunkt östliche Mystik in Natur und Landschaft. Besonders in den Jahren zwischen 1958 bis 1970 beinhalten zahlreiche Werke Camaros die Themen Musik, Mythos und Magie. In dieser Zeit entstand auch „östliche Welt“.
Beide Werke flankieren in der derzeitigen Ausstellung „Ein Verhältnis mit Kunst“ – Alexander und Renata Camaro. Katalyse, Symbiose, Muse? das Werk „Radiographie, Dein Bild“ von Renata Camaro. Die bildnerische Zusammenführung verdeutlicht den regen künstlerischen Austausch des Künstlerpaares. „Es verband sie eine Geistesverwandtschaft, die zu einer erfüllten künstlerischen Symbiose von großer Seltenheit führte.“ (Paula Anke 2022)

[Alexander Camaro, östliche Welt, 1962, Öl auf Leinwand, 160x125cm /
Renata Camaro, Radiographie, Dein Bild, 1963, Öl auf Leinwand, 80x60cm /
Alexander Camaro, gefiederte Schlange, 1962, Öl auf Leinwand, 175x125cm /
© Camaro Stiftung]
[EN]

Our #weeklycamaro #25 „feathered snake“ exemplifies a series of works with the focus on Eastern mysticism in nature and landscape. Especially in the years between 1958 and 1970, many of Camaro´s works included music, myth and magic. In this period, Camaro also painted „Eastern World“.
Both works flank the painting „Radiography, your painting“ by Renata Camaro in the current exhibition „A relationship with art“ – Alexander and Renata Camaro. Catalysis, symbiosis, muse?. The arrangement of the shown paintings illustrates the artistic exchange between the artist couple. „They were united by a kinship of mind that led to a fulfilled artistic symbiosis of great rarity.“ (Paula Anke, 2022)

#24

Unser #weeklycamaro #24 zeigt mit zwei Lithografien von Alexander Camaro und Susanne Riée aus dem Jahr 1959 den künstlerischen Austausch beider Künstler:innen. Die gezeigten Werke entstanden im gemeinsamen Siebdruck-Atelier. Beide zeichneten gemeinsam, hatten gemeinsame Modelle und unterhielten enge Beziehungen zu weiteren Künstler:innen. Nach ihrer 18 Jahre andauernden Beziehung, verband ab den späten 1960 Jahren beide ein unverzichtbares Bedürfnis nach Austausch und Präsenz.

[Alexander Camaro, o.T., 1959, Lithografie, 44,5x64cm, Foto: Felix Broede
© Camaro Stiftung /
Susanne Riée, o.T., 1959, Lithografie, 62×46,5cm, Foto: Felix Broede
© Camaro Stiftung]

[EN]

The two lithographs by Alexander Camaro and Susanne Riée from 1959 shows the artistic exchange between them. They were created in the silk-print studio. Both artists were drawing together, had the same models and relations with other artists. Onward, after their 18-year relationship, they shared an indispensable need for exchange and presence from the late 1960s.

#23

Mit unserem #weeklycamaro #23 lässt sich hervorragend das symbiotische Verhältnis von Alexander Camaro und Unica Zürn skizzieren. Beide lernten sich im Rahmen des Künstlerkabaretts „Die Badewanne“ kennen. Unter Zürns Feder entstanden literarische Adaptionen von dort aufgeführten Programmnummern. Als sie bei Camaro wohnte, schrieb sie das Typoskript „Die Braut“ – „nach einem Bild von Alexander Camaro“.

[Alexander Camaro, Die Braut, 1947/48, Öl auf Leinwand, 66,6×99,2cm
© Camaro Stiftung /Foto: Felix Broede
Unica Zürn, Die Braut, Zeitungsausschnitt von 1949
© Camaro Stiftung]

[EN]

Our #weeklycamaro #23 illustrates the symbiotic relation between Alexander Camaro and Unica Zürn. Both get to know each other at the artist cabaret „Die Badewanne“. There Zürn created literary adaptions of shown program numbers. At the time when she lived at Camaros place, Zürn wrote „Die Braut“ after a painting by Camaro.

#22

Das Bildnis von Liselore entstand 1938. Alexander Camaro stellte seine Tanzpartnerin und Lebensgefährtin (1933 bis 1945) in dem Gemälde als mondäne und ernsthafte junge Frau sitzend in Denkerpose dar. „Bergmann war für Camaro nicht Muse, sondern ebenbürtige, künstlerische Partnerin. Beide teilten die Auffassung einer engen, symbiotischen Verbindung von Kunst und Leben“. (Agnes Kern,  2022)
Eine Werbekarte verdeutlicht die Tätigkeit des Tanzpaares auf Frontbühnen.
Gemeinsam mit Liselore Bergmann trat Camaro ab 1935 mit einem kleinen Ensemble als „Tanzpaar Kamaroff“ auf.
In volkstümlicher Kostümwahl werden sie auf der illustrierten Werbekarte gezeigt, die zugleich auf das Repertoire – den aufgeführten Bauerntanz – hinweist.

 

[Alexander Camaro, Bildnis Liselore, 1938, Öl auf Leinwand, 85,5x66cm
© Camaro Stiftung /Foto: Felix Broede]

 

[EN]

Camaro painted the portrait of Liselore in 1938. There he depicted his former dance and life partner Liselore Bergmann (1933 until 1945) as a sophisitcated and serious young woman, sitting in a thinker pose. „Bergmann was not a muse for Camaro, but an equale artisitc partner. Both shared the idea of a close, symbiotic connection of art and life.“ (Agnes Kern, 2022)

The activity of the dance couple on front stages is clarified with an advertising card, on which they are shown in traditionell costumes. Onwards 1935 Camaro performed together with Liselore Bergmann as „dance couple Kamaroff“.

Gisa Ley

#21

Mit Pastell zeichnete Alexander Camaro seine ehemalige Tanzpartnerin Gisa Ley. In Dresden tanzten beide bei Mary Wigman. Die intensive und konfliktreiche Beziehung endete nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Jadwiga Falk-Ley. Als Jüdin reiste Gisa Ley kurze Zeit später nach Italien aus.

[Alexander Camaro, Gisa Ley, 1930, Pastell, 57×49,5cm
©Camaro Stiftung / Foto: Felix Broede]

[EN]

Alexander Camaro painted his former dance partner Gisa Ley with pastel. They both danced at Mary Wigman in Dresden. The intense and conflict-ridden relationship ended with the birth of their daughter. As a Jew, Gisa Ley moved to Italy shortly after.

#20

#weeklycamaro #20 zeigt Alexander Camaro als „Dämon des Krieges“. Mit 29 Jahren war Camaro in Albert Talhoffs pazifistischem Tanzdrama „Das Totenmal“ der Tanzpartner von Mary Wigman.
Seine ehemalige Lehrerin Mary Wigman war von dem Talent, der Aufnahmefähigkeit, dem Charisma und der sensiblen Aufmerksamkeit von Camaro angetan. Er selbst sprach von der tänzerischen Arbeit als eine geistige Übertragung. Beide blieben bis zu ihrem Tod 1973 verbunden.

[Alexander Camaro als „Dämon des Krieges“ und Mary Wigman im Tanzdrama „Totenmal“, 1930
©Camaro Stiftung]

[EN]

Our #weeklycamaro #20 shows Alexander Camaro as „Deamon of war“. With 29 years he danced together with Mary Wigman in „Totenmal“.
His former dance teacher Wigman was  impressed by Camaro´s talent, charisma and sensitive attention. He himself called the dance work as a spiritual transmission. They remained together until her death in 1973.

#19

„Gerti mit roter Bluse“ entstand Anfang der 1920er-Jahre. Die frühere Lebensgefährtin von Camaro stand häufig Modell und wurde in dieser Zeit ein beliebtes Motiv in seinen Bildern.
Camaro suchte im Anschluss an die Erfahrungen des Zirkuslebens nach einem Austausch. Der Wunsch des symbiotischen Lebens und Arbeitens erfüllte sich erstmals mit Gerti Koper. Gemeinsam gründeten sie die „Malschule Gerti Koper und Alexander Kamaroff“.

[Alexander Camaro, Gerti mit roter Bluse, 1923,  Aquarell auf Packpapier, 34,5×46,5cm
©Camaro Stiftung]

[EN]

Alexander Camaro painted “Gerti with red blouse” in the early 1920s. In that time, Gerti, the former lover of Alexander Camaro, often became motif in Camaro’s paintings.
Camaro was looking for an exchange after the experiences of the circus life. The desire for symbiotic life and working was fulfilled for the first time with Gerti Koper. Together they founded the “Gerti Koper and Alexander Kamaroff painting school.”

Empfehlungsschreiben von Otto Mueller

#18

Unser #weeklycamaro #18 ist ein Brief von Otto Mueller. Darin empfiehlt er seinen Kunstschüler Alexander Camaro (damals: Alfons Kaczmarofski) für ein Stipendium der Hugo J. Herzfeld-Stiftung.

[„Ich bin dafür, daß mein Schüler Herr Alfons Kaczmarofski ein Stipendium der Hugo-Herzfeld Stiftung erhält

Otto Mueller

Prof. der Akademie  Breslau

den 9 Mai 1922“]

Camaro studierte zwischen 1920 bis 1927 an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe zu Breslau und „trifft bei seinem Lehrer Otto Mueller auf die Erfahrung der stillen und ermutigenden Sympathie“. (Paula Anke 2022)

[Empfehlungsschreiben für Camaro, Brief von Otto Mueller, 09.05.1922
©Camaro Stiftung]

[EN]
Our weeklycamaro #18 is a letter from Otto Mueller. In it, the former professor recommended his art student Alexander Camaro (then: Alfons Kaczmarofski) for a scholarship from the Hugo J. Herzfeld Foundation. Camaro studied between 1920 and 1927 at the State Academy of Arts and Crafts in Wroclaw and „experienced the silent and encouraging sympathy from his teacher Otto Mueller“. (Paula Anke 2022)

#17

Die Schwarz-Weiß-Fotografie von 1916/17 zeigt Alexander Camaro mit seiner Zirkus-Familie. Als 16Jähriger schloss er sich einem Wanderzirkus als Seiltänzer an. Auf dem Foto steht der junge Camaro bei den Schausteller:innen, mit denen er durch die Breslauer Umgebung reiste und auftrat. Es war eine intensive Zeit, in der Camaro das Zusammenspiel von Arbeit und Leben erfuhr, was ihn für sein weiteres Leben und späteres künstlerisches Schaffen prägte.

 

[Alexander Camaro mit seiner Zirkusfamilie, um 1916/17
©Camaro Stiftung]

[EN]

The black and white photography from 1916/17 shows Alexander Camaro with his circus family. At the age of 16 he joined a traveling circus and performed, among other things, as a tightrope walker. The photography shows the young Camaro on the right side beside other showmen, with whom he traveled and performed in the Wroclawian suburbs. It was an intense time in which Camaro experienced the interplay of work and life. This shaped him for the rest of his life and later artistic work.

 

#16

Unser #weeklycamaro #16, verdeutlicht in einer kontextuellen Betrachtung Camaros interdisziplinäres Arbeiten.
In dem Gemälde „Schaubude“ von 1946 steht der Schaubudenbesitzer im Vordergrund und präsentiert die Kuriosität: links neben ihm befindet sich eine Frau ohne Unterleib auf einem Sockel unter einem Glas. Illusion und Faszination der Vergnügungswelt vereinen sich in diesem malerischen Werk.

Das Motiv „Dame ohne Unterleib“ wurde in einer der ersten Kabarettnummern in dem 1949 von Camaro mitgegründeten Künstlerkabarett „Die Badewanne“ aufgegriffen und in aktuelle Themen umgewandelt. Im Künstlerkabarett kamen die verschiedenen Disziplinen Malerei, Literatur, Musik und Tanz zur Geltung.
In einer Schwarz-Weiß-Fotografie von Johannes Lederer ist zu erkennen, dass der Kopf von Katja Meirowksy auf einem schwarzen Sockel platziert wurde. Ihr Kopf spricht monoton den Text von Johannes Hübner. Dort offeriert sie ihre Leidensgeschichte –sie wurde von ihrem Budenbesitzer verlassen.
Kurze Zeit später machte Camaro dieses Motiv in einem Siebdruck erneut zum Bildinhalt.
In Anlehnung dessen, wurde 2014 „die Dame ohne Unterleib“ in der Ausstellung „Berlin Surreal…“  in einer Videoinstallation mit in die Ausstellungsarchitektur einbezogen.

[Alexander Camaro, Schaubude, 1946, Öl auf Hartfaser, 112,5x150cm (c) Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn
„Die Dame ohne Unterleib“, Foto: Johannes Lederer, (c) Herzattacke e.V.
Ausstellungsansicht v.l.n.r.: Videoinstallation / Schaubude / Alexander Camaro, o.T., um 1950, Styropor-Druckstock, 64,8×50,1cm (c) Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]

 

[EN]

 

Our #weeklycamaro #16 clarifies Alexander Camaros interdisciplinary work in a contextual perspective.
In the painting „show booth“ from 1946, the owner of the show booth stands in the foreground and presents the curiosity left next to him: a woman without abdomen on a pedestal under a glass. Here, illusion and fascination of the world of entertainment are united.
The motif of „woman without abdomen“ was taken up in one of the first cabaret numbers in the artist cabaret „The Bathub“ (co-founded by Camaro in 1949) and transformed into current themes. In the artists cabaret the different disciplines of painting, literature, music and dance were part of the program.
On a black-white-photography by Johannes Lederer we discover the head of Katja Meirowsky on a black pedestal. Her head speaks monotonous a text by Johannes Hübner. There she offers her story of suffering: she was abandoned by her lover and booth owner.
Shortly after Camaro used the motif in a silk-screen printing and in 2014 the Camaro foundation showed „Woman without abdomen“ as video installation was included in the architecture of the exhibition „Berlin Surreal…“.

#15

Umgeben von Bäumen und Ästen, bewegt sich eine vom Betrachter abgewandte weibliche Figur schleppend von links nach rechts. Vor ihr baut sich eine dominante Gestalt auf. Verstärkt wird diese bedrohliche und bedrückende Atmosphäre durch den undurchdringlichen Wald sowie durch malerische Elemente: rötliche Farbe läuft an der Frauengestalt herunter.

Die narrative Szene „La belle Captive“, basierend auf ein einschneidendes Erlebnis Camaros, thematisiert eine Vergewaltigung. In Gedanken und Notizen schilderte Renata 2004 dessen „Erinnerung, wie er ein junges Mädchen aus der Oder zog […] und in einem Haus in der Nähe warme Decken geholt“ hat. Camaro brachte sie ins nächstlegende Krankenhaus. Er soll noch die Silhouette eines Mannes;  des Peinigers, bemerkt haben, als er das Mädchen fand.
Malerisch verarbeitete Camaro das Erlebte bereits in dem Kleinformat „Wald, Lustmord“ von 1940. Beide Werke werden in der derzeitigen Ausstellung „Alexander Camaro zum 120. Geburtstag“ gezeigt.

[Alexander Camaro, La belle Captive, 1982/83, Öl auf Leinwand, 200x250cm
©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]

[EN]

Surrounded by trees and branches a female figure, turned away from the viewer, drags herself from left to right. A dominant figure looms in front of her. This threatening and oppressive atmosphere is reinforced by the impenetrable forest and by painterly elements: reddish paint runs down the female figure.

The narrative scene „La belle Captive“, based on a drastic incident of Camaro, thematize a rape. In thoughts and notes in 2004, Renata described Alexander Camaros „memory how he pulled out a girl from the Oder […] and fetched warm blankets from a house nearby“. Camaro took her to the nearest hospital. He noticed the silhouette of a man, the rapist,  when he found the girl. Camaro has already painted the experience in the small format „Forest, Lustmord“ from 1940.
Both works are shown in the current exhibition „Alexander Camaro on his 120th Birthday“.

#14

Das wohl erste Ölbild von Alexander Camaro entstand 1922 während der Zeit als Student an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe zu Breslau, wo er Schüler von Otto Mueller, Alexander Kanoldt und Johannes Molzahn war.
Noch im Charakter der Neuen Sachlichkeit verhaftet, inszenierte sich Camaro mit fixierend prüfenden Blick. In dem Selbstbildnis steht Gerti hinter ihm. Beide sind im Halbprofil dargestellt.
Eine Anmerkung Camaros auf der Rückseite eines Fotoabzugs von „Selbstbildnis mit Gerti“ lautet: “mein erstes Ölbild in Breslau auf der Akademie bei Otto Müller war auf grosser Ausstellung mit ausgestellt. Gerti und ich! 1922“.
Gerti Koper und ihre Schwester standen Camaro zu jener Zeit Model.

Dieses und weitere, zahlreiche Frühwerke Camaros sind durch den Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. In dem Werkverzeichnis von Anna Krüger wurde das Frühwerk, welches durch eine frühe Registratur mit Unterstützung von Paul Reißert handschriftlich erfasst wurde, in das Verzeichnis des malerischen Werkes von Camaro erstmals aufgenommen.

 

[Alexander Camaro, Selbstbildnis mit Gerti, 1922, Öl auf Leinwand, Kriegsverlust
Foto: Paul Reißert]

 

[EN]

Probably the first oil painting by Alexander Camaro was created in 1922, during his studies at the academy of Arts and Crafts in Wroclaw under Otto Mueller, Alexander Kanoldt and Johannes Molzahn.
In the character of the New Objectivity, Camaro stages himself with a gaze of scrutiny. Behind him stands Gerti, both are shown in half-profile.
A note on the back of a black-white-photography from „Self-portrait with Gerti“ is given: „my first oil painting in Wroclaw at the Academy under Otto Mueller was shown on a big exhibition. Gerti and me! 1922“.
In this time Gerti Koper and her sister were models for Camaros paintings.

This and many other early works by Camaro were lost during the Second World War. In the catalogue raisonné of paintings by Camaro, written by Anna Krüger, the early work, which was kept in an early handwritten registration by Paul Reißert, is included for the first time.

#13

In unserem #weeklycamaro #13 sitzt eine Frau mit blondem, langem Haar auf einer Veranda.
Ein grünes Haarband mit üppiger Schleife schmückt ihr Haupt. In ihren Händen hält sie ein Buch, welches aufgeschlagen auf ihrem Schoß liegt.
Es entsteht der Eindruck, dass die Frau von ihrer Lektüre unterbrochen wurde: sie blickt über die Stuhllehne zum Betrachter.
Im Hintergrund grenzt ein weißer Zaun das Grundstück von einem umliegenden Wald ab.

„Rekonvaleszenz“ hängt in der derzeitigen Ausstellung „Alexander Camaro zum 120. Geburtstag“ im Camaro Haus. Dort wird in einem weiteren Werk das Motiv einer sitzenden, mit dem Blick über die Stuhllehne zum Betrachter dargestellten Frau im Kleinformat „Lesendes Mädchen mit weissem Hund“ von 1946 gezeigt. Es verdeutlicht hervorragend, dass Camaro bestimmte Inhalte und Motive immer wieder in seinen Werken aufgriff.

[Alexander Camaro, Rekonvaleszenz, 1980/85, Acryl, Pastell und Kreide auf Leinwand
©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]
[EN]

In our #weeklycamaro #13, a female figure with long blonde hair sitting on a veranda. A green hair band with a lush bow adorns her head. She holds an open book in her hands, which lies on her lap. It seems, that the woman has been interrupted from reading: she looks over the chair back to the viewer. In the background, a white fence separates the plot from the forest.
„Rekonvaleszenz“ is hanging in the current exhibition „Alexander Camaro on his 120th birthday“ in the Camaro Haus. There, in another art work, the motif of a seated woman, shown looking over the back of the chair at the viewer, is represented in the small format „reading Girl with white Dog“ from 1946. It clarify, that Camaro repeatedly took up certain content and motifs in his art works.

#12

Der leicht gesenkte Kopf eines blauen Stiers dominiert in #weeklycamaro #12 den Bildinhalt. Er ist dem Betrachter zugewandt. Hinter ihm kaum ersichtlich zeigt sich das Profil eines zweiten  Stiers. Besonders die spitzen Hörner beider Tiere kommen in dem Ton in Ton gehaltenen Bild zur Geltung.
Darstellungen von Stieren entstanden zwischen 1947 und 1952 in Alexander Camaros Werken – zumeist im Kontext von Stierkämpfen. In dem Werkverzeichnis des malerischen Werks des Künstlers, schrieb Anna Krüger diesen Nachkriegsbildern einen metaphorischen Charakter zu.
Eine „ritualisierte Grausamkeit [und] der Ausdruck von Solidarität“ würde in den Stierbildern festgehalten.
Camaro hielt sich nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Male in Spanien und Südfrankreich auf, wo er Gelegenheit hatte, Stiere und Stierkämpfe zu beobachten.

Zu sehen ist das Werk „Stiere“ in der derzeitigen Ausstellungen „Alexander Camaro zum 120. Geburtstag“ sowie das Werkverzeichnis im Camaro Haus.

[Alexander Camaro, Stiere, 1950, Öl auf Leinwand, 66x85cm

©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]

[EN]

The slightly bowed head of a blue bull dominates #weeklycamaro #12. The animal looks upon the viewer. Barely visible behind him we discover the profile of a second bull. Especially the horns are heighten in the tone-in-tone painting. Camaro created depictions of bulls between 1947 and 1952 – mostly in the context of bullfights. In the catalog raisonné of the artist’s paintings, Anna Krüger attributed a metaphorical character to these post-war paintings. A „ritualized cruelty [and] expression of solidarity“ are shown in the paintings with bulls.
After the Second World War, Camaro visited Spain and South France several times, where he got the occasion to watch bulls and bullfights.

The painting „bulls“ is sown in the current exhibition as well as the catalog raisonné viewable in the Camaro House.

 

#11

Unser #weeklycamaro #11 zeigt eine nahezu lebensgroße weibliche Figur, im Bildtitel als Renata definiert. Camaro heiratete 1966 seine ehemalige Meisterschülerin Renate Gentner, die sich seit ihrem Studium Renata nannte. Sie war ihm nicht nur Geliebte, Inspiration und Künstlerin; Alexander Camaro machte sie auch zum Bildinhalt zahlreicher Werke – oftmals sitzend.
Dass Camaros Verehrung zu Renata groß war, spiegelt sich in diesem Bildnis wieder. Nahezu majestätisch wird „Renata im Pelz“ zum Bildmittelpunkt erhoben. Sie sitzt auf einem Sessel, anatomisch entgegen akademischer Grundlagen dargestellt. Dabei trägt sie einen hermelinartigen Pelzmantel und eine Pelzmütze. Man muss an „Venus im Pelz“ von Leopold Sacher-Masoch denken.
Das Werk enthält eine mehrdeutige Narration. Es scheint ein Zwischenzustand festgehalten worden zu sein: kurz bevor sie aufsteht, um möglicherweise hinauszugehen oder kurz bevor sie sich hinsetzt, nachdem sie draußen war?
Mit diesem Dazwischen entsteht der Eindruck, dass Renata fast zu schweben scheint.
Dieses Gemälde ist Bestandteil der im Camaro Haus derzeitig präsentierten Ausstellung „Alexander Camaro zum 120. Geburtstag“.

[Alexander Camaro, Renata im Pelz, 1974, Öl auf Leinwand, 200x150cm
©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]

[EN]
Our #weeklycamaro #11 shows a nearly life-size female figure, in the caption defined as Renata. Camaro married his former master student Renate Gentner in 1966, who called herself Renata since study times. She was not only lover, inspiration and artist; Alexander Camaro painted her in numerous works – often seated.
The portrait reflects Camaro´s  great adoration for Renata. Almost majestically “Renata in furs“ is increased to the center of the painting. She is sitting on a chair, shown anatomically contrary to academic principles. She wears an ermine-like fur coat and a fur hat. One has to think of „Venus in furs“ by Leopold Sacher-Masoch.
The work contains an ambiguous narration. An intermediate state seems to have been captured: just before she stands up, possibly to go outside, or just before sitting down after being outside? This in-between gives the impression that Renata almost floating.

This painting is part of the exhibition „Alexander Camaro on his 120th Birthday“ currently being presented in the Camaro House.

Nachruf: Susanne Riée (1927 – 2020)

Am 18. Januar wäre sie 95 Jahre alt geworden.
Wie gerne würden wir den Geburtstag von Susanne Riée mit allen, die sie liebten und schätzten, feiern!
Wir hatten geplant, am 18. Januar ihre Kunst und ihre Freundschaft mit Familie und Freunden im Camaro Haus – in dem noch ihre Erzählungen so lebendig nachklingen – zu zelebrieren;  „ihr“ Chor wäre an diesem Tag gerne aufgetreten.

Noch einmal wird die Pandemie auch diesen Plan verhindern.
Wir hoffen möglichst bald mit einer Gedenkfeier an die lebensfrohe Künstlerin erinnern zu dürfen.
Sie war die langjährige Lebensgefährtin von Alexander Camaro und beide blieben sich auch nach der Trennung lebenslang unentbehrlich. Außergewöhnlich war ihre Kenntnis von der Berliner Nachkriegskunst, an der viele ihrer Freund:innen beteiligt waren und von der sie stets interessante Anekdoten lebendig erzählen konnte.

Sie fehlt uns so sehr!
Wir sind dankbar und halten ihren künstlerischen Nachlaß in Ehren.

Ihr Camaro Team

 

[Foto: Matthias Reichelt, 2017]

#10

In „Luftschaukel“ setzt sich Alexander Camaro mit der Darstellung von Bewegung auseinander. Mädchen schwingen mit Leichtigkeit auf zwei Luftschaukeln hin und her. Der Eindruck von Geschwindigkeit und Bewegung entsteht durch angedeutet wehende Haare und leicht flatternde Gewänder der Figuren sowie durch den schnellen und zugleich präzisen Pinselduktus des Künstlers.

Alexander Camaro griff das Motiv der Luftschaukel in seiner intensiven Schaffensperiode nach Kriegsende 1946, sowie in seinem Spätwerke ab 1980 wiederholt auf. Die malerische Herausforderung in der Darstellung von Bewegung und  persönliche Erinnerungen aus dem Lunapark Camaros vereinen sich in den „Luftschaukel“-Kunstwerken.
Sowohl „Luftschaukel“ von 1946 als auch von 1986 sind aktuell in der Ausstellung „Alexander Camaro zum 120. Geburtstag“ in der Camaro Stiftung zu sehen.

[Alexander Camaro, Luftschaukel, 1946, Tempera auf Karton, 72,8×48,4cm ©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]

[EN]

„Air swing“, our #weeklycamaro #10, content the motif of movement. With ease girls swing forth and back on two swings. The impression of speed and movement from the figures with their slightly blowing hair and fluttering robes are clarified by the artist’s fast and at the same time precise brushwork.
Camaro repeadetly took up the motif of the air swing in his intensive creative period after the end oft he war in 1946, as well as in his late works from 1980 onwards. Both the painterly challenge of depicting movement and personal memories from the Lunapark are combined in Alexander Camaro’s various „air swing“- artworks.

Both,  „air swing“ from 1946 and 1986, are currently seen in the exhibition „Alexander Camaro on his 120th birthday“ in the Camaro House.

 

Nu Dagbe

„Der Zirkus ist die Mutter aller Künste“ (Zitat Alexander Camaro)

Alexander Camaro schloss sich mit 16 Jahren einem Wanderzirkus an und trat als Hochseilartist und Clown auf. Auch in seinem künstlerisch en Werk thematisiert Camaro die Welt des Zirkus.

Derzeit werden ausgewählte Lithographien im Camaro Haus gezeigt. Der Erlös verkaufter Lithographien kommt dem Verein Nu Dagbe zugute.

In Cotonou / Bénin ermöglicht der Verein Nu Dagbe seit 2011 Straßenkindern und Jugendlichen Zirkustraining in der Ecole de Cirque Nu Dagbe. Die EU-Projektförderung „Culture At Work Africa“ ermöglichte 2019 den Beginn der ersten Tournee, welche dann durch die Pandemie gestoppt wurde.

Aktuell unterstützen wir die weitere Fortbildung der einzelnen Jugendlichen, die dabei sind, ihren eigenen Zirkusverein zu gründen.

 

[EN]

„The circus is the mother of all arts“ (quote by Alexander Camaro)

In the age of 16 Alexander Camaro joined a traveling circus, as tightrope walker and clown. Later as painter Camaro took up the world of the circus in his artistic work. Selected lithographs with that and other topics are currently shown at the Camaro House. The proceeds from sold lithographs benefit the Nu Dagbe association. In Cotonou / Bénin, the Nu Dagbe association has been giving street children and young people circus training at the Ecole de Cirque Nu Dagbe since 2011. The EU project funding „Culture At Work Africa“ ​​made it possible to start the first tour in 2019, which was then stopped by the pandemic.

We are currently supporting the further training of the individual young people who are in the process of founding their own circus association.

#9

Mit Bernhard Heiliger schuf Alexander Camaro 1966/67 Lithographien mit Themen und Motiven zu Ernst Schröders Inszenierung von Goethes „Faust“ im Schiller Theater Berlin.

In den Felsbuchten des Ägäischen Meers treiben Sirenen mit ihren Gesängen im Faust II“ ihr Unwesen. Sie stehen sinnbildlich für Verlockungen und deren verheerenden Folgen.

Camaro zeigt in der Lithographie „Sirene“ allerdings keinen Schiffbruch. Aus der undefinierten Umgebung formt sich ein weibliches, geflügeltes Fabelwesen heraus. Hat diese Sirene gerade ein Schiff entdeckt oder singt sie bereits?

Noch bis Ende des Monats ist unser #weeklycamaro #9 neben anderen Lithographien von Alexander Camaro in der Sonderausstellung im Camaro Haus zu sehen.

[Alexander Camaro, Sirene, 1967, Lithographie auf Papier ©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]

 

[EN]

 

Together with Bernard Heiliger, Camaro created lithographs with themes and motifs of Goethe´s „Faust“ in 1966/67 – related to Ernst Schröder´s staging in the Schiller Theatre in Berlin.
There, in the rocky bays of Aegean Sea, sirens cause trouble with their chants. They symbolize temtations and their destructive consequences.

However, in the lithograph „siren“ Camaro does not show a shipwreck but a female, winged mythical creature emerged from the undefined environment. Has this siren just spotted a ship or is she already singing?

Our #weeklycamaro # 9 can be seen alongside other lithographs by Alexander Camaro in the special exhibition in the Camaro House until the end of this month.

#8

Unser #weeklycamaro #8 zeigt eine verzauberte Winterszene.

Auf einem gefrorenen Gewässer wird eine Frau „Im Stuhlschlitten“ von zwei weiteren Personen mit Eislaufschuhen geschoben. Die Figurengruppe lässt in ihrer Mimik und Gestik erahnen, dass die Bewegung auf dem Eis etwas erschwert ist. Dies tut der guten Laune der Figuren jedoch keinen Abbruch.

Alexander Camaros Heimatstadt Morgenau, zwischen Oder und Ohle gelegen, galt als beliebtes Ausflugsziel. In den Wintern vor 1920 wurden die zugefrorenen Flüsse zu einem Ort der Tanzlustbarkeit: zur Musik wandelten die Gesellschaften mit ihren Schlittschuhen auf Eis und amüsierten sich. In mehreren weiteren Werken (wie Aschermittwoch-Blues von 1973) thematisierte Camaro dieses Ereignis ebenfalls: auf dem Eis spielen Musiker auf ihren Instrumenten und Eisschuhläufer tanzen dazu.

Der Künstler gestaltete die winterliche Szene mit Kohle, Kreide und Acrylfarbe. Für die Figuren und deren Bekleidung verwendet er die Collagetechnik, teilweise mit angestrichenem Zeitungspapier.

Wir wünschen Euch, dass alle gut in das neue Jahr gerutscht sind und gesund in das neue Jahr starten.

 

[Alexander Camaro, Im Stuhlschlitten, 1973-4, Mischtechnik, Collage auf Leinwand, 160x200cm, © Camaro Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn]

 

[EN]

#weeklycamaro #8 shows a miracle winter scene:  two ice-skater push a woman in sleigh chair to move her from the right to the left side on a frozen river.

In their faces and gestures we recognize that the figures moves scarcely forward on ice, even though they exert a lot of force. However the figures seems to have fun.

Morgenau was a popular excursion and the hometown of Camaro. There the frozen rivers Oder and Ohle became a place of joy: people with ice-skates moved on ice while music was played in the years before 1920.

In several works Camaro painted similar scenes, as in „Ash wednesday“ in 1973  where musicians play on their instruments and ice-skaters dance to it on ice.

Alexander Camaro used charcoal, chalk and acrylics as well as pieces of newspaper for the figures and their clothes.

We wish you an amazing start for the new year 2022.

 

#7

In zahlreichen Lithographien thematisiert Alexander Camaro Eindrücke aus seiner Zeit in Breslau. Szenen aus dem Luna Park verdeutlichen, was die Erlebniswelt zu bieten hatte.

Die Lithographie entstand um die gleiche Zeit, wie das Gemälde von 1946 und zeigt ein Mädchen an einem Kaleidoskop.

Mit wenigen Strichen findet das Mädchen auf der rechten Seite Gestalt. Sie hält das Kaleidoskop in ihrer rechten Hand und schaut mit einem Auge hindurch.

Mit schwunghaften Linien verdeutlicht der Künstler auf der linken Bildhälfte projiziert, was das Mädchen sieht.

 

Eine Reihe an Lithographien werden zur Zeit in einer Sonderausstellung im Camaro Haus gezeigt.

 

[Alexander Camaro, o.T. (Mädchen mit einem Kaleidoskop), 1949, Lithographie auf Papier ©Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn]

 

[EN]

#weeklycamaro #7

In numerous lithographs Alexander Camaro gives impressions from his time in Wroclaw. Scenes from visits at the Luna Park illustrate the adventure worlds offer.

Here you see a girl with a kaleidoscope. The artist used the depiction of a painting from 1946.

She holds he kaleidoscope in her right hand and looks through it with one eye.

The artist illustrated with sweeping lines on the left side, what the girl is discovering.

#6

Das Werk „Liebes Paar“ von 1946 zeigt auf dem ersten Blick eine intime Situation zweier Menschen.

Händehaltend sitzt das Paar eng nebeneinander auf dem Boden einer kargen Landschaft – fernab jeglicher Zivilisation.

In dem Kleinformat wird das Motiv des Welttheaters von Alexander Camaro ersichtlich. Die gestaffelte Landschaft erzeugt eine Tiefenwirkung und lässt an ein Bühnenbild erinnern: während das Paar im Vordergrund platziert wurde, türmen sich links und rechts Bergformationen und vegetabile Umrisse auf. Sie werden im Hintergrund aufgebrochen und der Blick auf den lichten Horizont ermöglicht.

Ein Aufbrechen und Unterbrechen findet ebenfalls in der vorderen Szene statt. Dort scheint das intime Moment des Paares unterbrochen und die Zweisamkeit gestört. Gerade waren sie noch mit sich selbst, doch nun richtet sich ihre Aufmerksamkeit auf den Störfaktor – sie Blicken in Richtung des Betrachters. Die schemenhaft ausgeführten Gesichtszüge offenbaren den Unmut beider Figuren. Fast schon mahnend verweisen sie auf die unerwünschte entstandene Nähe. Alexander Camaro verstärkt mit der Wahl des Bildausschnitts diesen aufdringlichen Charakter des Betrachters auf die Figuren.

Beide Figuren fügen sich in die Tonalität ihrer Umgebung ein, heben sich zugleich durch ihre Farbigkeit hervor. Alexander Camaro hat die Szene primär in Lehmgrün-, -blau- und -gelbtönen gehalten, während sich die Braun- und Fliederfarben des Bodens und im Horizont in der Kleidung des Paares wiederfinden. Die erdigen Farben sowie der leicht grün-gelbliche Kopf des Mannes lassen auf die ehemalige Schülerschaft Camaros bei Otto Mueller in Breslau schließen.

Ein interessanter Hinweis: In dieser Zeit signierte der Künstler noch mit den Initialen AK – für Alexander Kamaroff und sollte sich in der Folgezeit endgültig zu C für Camaro ändern.

[Alexander Camaro, Liebes Paar, 1946, Öl auf Hartfaser, © Camaro Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn 2020]

 

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#weeklycamaro #6

Alexander Camaro painted „Liebes Paar“ – „lovers“ in 1946 – an intimate situation between woman and men. They are holding each others hand, sitting site by site on the ground in a barren, deserted landscape.

The motif of the world theatre is visible. The staggered landscape gets a deep space as in stage sets: the sitting couple in the foreground are encircled by mountains and high natural contures. In the background you can see a light horizon. The togehterness of the couple seems to be interruped – they are watching in direction of the viewer and it seems to recognizes their displeasure.

The figures fit into the tonality of their surroundings, at same time they are highlighted by their colourfulness. Alexander Camaro kept the scene primarily in clay green, blue and yellow. But brown and lilac on the ground and in the horizon also are used in the clothes of the couple. By using the earthy colours and the slightly green-yellowish head of the man, this painting reveals Camaro as an former student of Otto Müller in Wroclaw.

 

#5

#weeklycamaro #5 ist ein grafisches Werk: Im *Zwiegespräch* zeichnet Camaro aus feinen Linien eine abstrahierte Bühnensituation, die in ihrem spielerischen Bildaufbau, den gekippten Flächen, den Mustern und kleinen Schnörkeln an die Bildsprache des berühmten französischen Malers Henri Matisse erinnert. Obwohl die beiden Figuren durch die räumliche Gliederung im Bild voneinander getrennt sind, scheinen sie doch miteinander zu kommunizieren – ein Zwiegespräch zu führen.
Die caféartigen Tische in der Bildmitte sind mit Bleistift durchgestrichen, was vermuten lässt, dass die Zeichnung als Vorstudie für das gleichnamige Ölgemälde diente. Auf diesem sind die Stühle tatsächlich nicht mehr eingefügt.

[Alexander Camaro, Zwiegespräch, 1946, Tinte auf Papier © Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2021]

 

[EN]
#weeklycamaro #5 is a graphic work: In *Dialogue* (*Zwiegespräch*) Camaro draws an abstracted stage situation from fine lines, which refers to the visual language of the famous French painter Henri Matisse by its playful image structure, the tilted surfaces, the patterns and small ornaments. Although the two figures are separated from each other by the spatial arrangement in the painting, they seem to communicate with each other – they carry on a dialogue.
The café-like tables in the center of the painting are crossed out in pencil, suggesting that the drawing served as a preparatory study for the oil painting of the same name and year. On this one, the chairs are actually no longer inserted.

#4

Im insgesamt 6 Meter breiten und 2,50 Meter hohen Triptychon „Luftschaukel“ interessierte Camaro besonders der Moment der Bewegung. In sechs abstrahierten Schaukeln schwingen Figuren mit wehenden Haaren und Kleidern durch die Lüfte. Die auf die Leinwand gespritzte, zerlaufende Farbe wirkt dabei wie die sichtbar gemachten Schwunglinien und unterstreicht den rasanten Eindruck der drei großformatigen Gemälde.

Auch wenn der Jahreswechsel diesmal nicht ganz so ausgelassen sein konnte, hoffen wir, ihr seid froh und fröhlich ins Neue Jahr geschwungen! 2021 kann in vielerlei Hinsicht hoffentlich nur besser werden – wir freuen uns darauf, wenn wir euch wieder bei uns begrüßen können!

[Alexander Camaro, Luftschaukel, Triptychon, 1986, Acryl auf Leinwand © Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2021]

 

[EN]

In the 6 meters wide and 2.50 meters high triptych *Air swing* (*Luftschaukel*) Camaro was interested in the moment of movement. In six abstracted swings, figures with blowing hair and clothes fly through the air. The splashed paint on the canvas seems to make the swing lines visible and underlines the fast-paced impression of the three large-format paintings.

Even though the coming turn of the year can’t be quite as wild this time, we hope you had a happy and joyful *swing* into the New Year! 2021 can hopefully only get better in many ways – we are very much looking forward to welcoming you again!

#3

Unser #weeklycamaro #3 entstand 1991, nur ein Jahr vor Camaros Tod. Mit dem abstrakten Gemälde schuf Camaro eine Neuauflage eines Bildes von 1933. In einem zerfließenden, transparenten Farbauftrag entsteht eine abstrakte Schneelandschaft. Die Staffelung der vertikalen und horizontalen Linien und Formen kreiert ein Bildraum, in dem eine schwarze Figur platziert ist.

Das nur noch als Foto erhaltene Gemälde von 1933 erzählt uns mehr: In einer einsamen Landschaft sehen wir zwei Figuren, deren Beziehung zueinander durch die Fußspuren des sich entfernenden Mannes angedeutet ist. Die Frau lehnt gebeugt gegen einen Baum. Die starken Kontraste und Schlagschatten unterstreichen die Emotionalität der Abschiedsszene.
Das Gemälde erzählt zwar von Abschied, aber auch von Camaros ersten malerischen Anfängen – ganz so als wollte Camaro hier noch einmal betonen, dass jedem Ende auch immer etwas Neues innewohne.

Mehr dazu finden Sie auch im Ausstellungskatalog MALER. MENTOR. MAGIER. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau (deutsche und polnische Ausgabe), erhältlich hier.

[1: Alexander Camaro, Abschied – Winter, 1991, Acryl auf Leinwand © Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2020; 2: Alexander Camaro, Schneelandschaft – Abschied, 1933, heute verschollen, Foto von Paul Reissert © Camaro Stiftung]

 

[EN]

Our #weeklycamaro #3 was created in 1991, one year before Camaro’s death. With this abstract painting Camaro created a new version of a painting from 1933. The melting, transparent color forms an abstract snowy landscape. The staggering of vertical and horizontal lines and shapes creates a pictorial space in which a black figure is placed. The 1933 painting, preserved only as a photograph, tells us more: in a lonely landscape we see two figures whose relationship to each other is indicated by the footprints of the man moving away. The woman leans against a tree. The strong contrasts and drop shadows underline this emotionally depicted farewell scene.

The painting tells of farewell, but also of Camaro’s first attempts at painting – as if Camaro wanted to emphasize that every end also means a new beginning.

Find out more in our exhibition catalog MALER. MENTOR. MAGIER. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau (in German or Polish), available here.

 

 

 

#2

Im Gemälde Artistinnen von 1947 vollführen zwei Frauen Luftakrobatik in schwindelerregender Höhe. Der Bildausschnitt wirkt wie ein Zoom in eine hölzerne Bühnenarchitektur. Links von ihnen lehnt eine Harlekinfigur lässig mit erhobenem Arm an einem Holzpfosten. Durch die auf dem Kopf stehenden Artistinnen kommt Bewegung ins Bild – als Betrachtende sind wir versucht, selbst den Kopf zu neigen, um die vielen verschiedenen Blickwinkel im Bild einzufangen.
Könnte das Gemälde vielleicht sogar andersherum aufgehängt werden? Wäre in jedem Fall ein Perspektivwechsel!
Camaro bezieht sich hier auch auf seine frühe Vergangenheit: Mit gerade mal 16 Jahren schloss er sich einer Zirkustruppe an und arbeitete als Clown und Hochseilartist.

Mehr Infos finden Sie z.B. im Ausstellungskatalog „Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt“, 2020, erhältlich hier.

[Alexander Camaro, Artistinnen, 1947, Öl auf Leinwand, Foto: Eric Tschernow © Camaro Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn 2020]

 

[EN]
In the painting Artistinnen (Acrobats) from 1947, two women perform aerial acrobatics at dizzying heights. The detail of the picture looks like a zoom into a wooden stage architecture. To their left, a harlequin figure leans casually with raised arm against a wooden post. The upside-down positions of the acrobats bring movement into the picture – as viewers, we are tempted to tilt our heads ourselves in order to capture the many different angles in the picture.
Could the painting perhaps even be hung the other way around? Would be a change of perspective in any case!
Camaro also refers here to his early past: at just 16, he joined a circus group and worked as a clown and high-wire artist.

Find more in the exhibition catalogue “Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt”, 2020 [in German only], available here.

#1

Unser #weeklycamaro #1 ist Camaros „Schaubudenmädchen“ von 1949. Das puppenhafte Mädchen ohne Unterleib – ein Motiv der Vergnügungsparks der Belle Epoque – findet sich häufig in Camaros Werk, oft mit einer doppelbödigen Moral. Wie in der Programmnummer „Die Dame ohne Unterleib“ des Künstlerkabaretts *Die Badewanne*, das Camaro 1949 mitbegründete: Dort schreit das Mädchen dem habgierigen Budenbesitzer ihren Hass entgegen – als emanzipierter Akt der Befreiung.

Mehr Infos finden Sie z.B. im Ausstellungskatalog „Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt“ 2020, erhältlich hier.

[Alexander Camaro, Schaubudenmädchen, 1949, Öl auf Leinwand, 116 x 76 cm, Foto: Eric Tschernow © Camaro Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn 2020]

 

[EN ]
Our #weeklycamaro #1 is Camaro’s “show booth girl” from 1949. The doll-like girl without abdomen – a characteristic motif of the amusement parks of the Belle Epoque – is often found in Camaro’s work, most of the time with ambiguous morals. As in the program number „The Lady without Abdomen“ of the artists‘ cabaret *The Bathtub*, which Camaro co-founded in 1949: There the girl screams her hatred towards the greedy stall owner – as an emancipated act of liberation.

Find more in the exhibition catalogue “Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt” 2020 [in German only], available here.