Artikel zu: Alexander Camaro

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Im Gemälde Artistinnen von 1947 vollführen zwei Frauen Luftakrobatik in schwindelerregender Höhe. Der Bildausschnitt wirkt wie ein Zoom in eine hölzerne Bühnenarchitektur. Links von ihnen lehnt eine Harlekinfigur lässig mit erhobenem Arm an einem Holzpfosten. Durch die auf dem Kopf stehenden Artistinnen kommt Bewegung ins Bild – als Betrachtende sind wir versucht, selbst den Kopf zu neigen, um die vielen verschiedenen Blickwinkel im Bild einzufangen.
Könnte das Gemälde vielleicht sogar andersherum aufgehängt werden? Wäre in jedem Fall ein Perspektivwechsel!
Camaro bezieht sich hier auch auf seine frühe Vergangenheit: Mit gerade mal 16 Jahren schloss er sich einer Zirkustruppe an und arbeitete als Clown und Hochseilartist.

Mehr Infos finden Sie z.B. im Ausstellungskatalog „Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt“, 2020, erhältlich hier.

[Alexander Camaro, Artistinnen, 1947, Öl auf Leinwand, Foto: Eric Tschernow © Camaro Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn 2020]

 

[EN]
In the painting Artistinnen (Acrobats) from 1947, two women perform aerial acrobatics at dizzying heights. The detail of the picture looks like a zoom into a wooden stage architecture. To their left, a harlequin figure leans casually with raised arm against a wooden post. The upside-down positions of the acrobats bring movement into the picture – as viewers, we are tempted to tilt our heads ourselves in order to capture the many different angles in the picture.
Could the painting perhaps even be hung the other way around? Would be a change of perspective in any case!
Camaro also refers here to his early past: at just 16, he joined a circus group and worked as a clown and high-wire artist.

Find more in the exhibition catalogue “Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber, Vergnügungswelt”, 2020 [in German only], available here.

Alexander Camaro – Lunapark

Aufgrund der Corona-Beschränkungen bleibt das Camaro Haus vorerst geschlossen. Die Ausstellung „Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber und Vergnügungswelt“ pausiert daher ebenfalls bis auf Weiteres und wird nach dem Ende der Beschränkungen wieder für Sie zu sehen sein.

 

Der interdisziplinär arbeitende Künstler Alexander Camaro (1901–1992) hinterließ ein umfängliches Werk rund um die Welt der Rummelplätze und Vergnügungsparks. Es ist eine Welt, die er aus seiner Jugend in Breslau kannte, wo er mit Schaustellern, Musikern, Artistinnen und Artisten aus dem Umfeld des Lunaparks in Kontakt kam, und die für ihn auch später im Nachkriegsberlin nichts an Faszinationskraft verlor.

Camaros Blick ist so eigenwillig wie einzigartig. Seine Bilder und Texte erzählen von der traurig-schönen Wahrheit der Bühnen und Buden, aber auch von verlassenen Festplätzen und der Vereinzelung des Menschen: Freude und Verklärung, Schmerz und Trauer fließen zusammen. Steht bei Camaro der Lunapark als Chiffre für eine unwiederbringliche Zeit? Ist es die Wehmut an unbeschwerte Kindheitstage und die Jugend, die sich dann später mit Erlebtem und Erlittenem der Kriegszeiten mischt und in den Berliner Nachkriegsjahren durch Unsicherheit und Desillusion ihren Ausdruck sucht?
Und was bedeutet er, der Lunapark, für uns im 21. Jahrhundert: für uns Berlinerinnen und Berliner? Was ist für uns heute an diesem Bild – oder besser noch: gerade jetzt – aktuell, bewegend oder gar berührend?

Alexander Camaro vertrat die Auffassung, dass die Schaustellerzunft und das Artistentum – ob ihrer freien Haltung und ihres körperlichen Einsatzes – einen eigenen und unantastbaren künstlerischen Ausdruck haben. So möchte die Ausstellung im Camaro Haus mit einer persönlich erzählten Geschichte außerdem auf die Lage besonderer sozialer Gruppen und womöglich verschwindenden Kulturen aufmerksam machen, deren Existenz es aktuell zu wahren gilt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im be.bra-Verlag, erhältlich zum Preis von 25,– €. Zum Katalog geht es hier.

Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan

1. Station: 12.9.2020–24.10.2020, Camaro Haus, Berlin
2. Station: 20.11.2020–21.12.2020, Fundacja Salony, Zielona Góra

 

Die deutsch-polnische Ausstellung ist das Resultat eines Aufenthaltes von zwei polnischen Künstler*innen und einem polnischen Kurator in Berlin im Rahmen des „Artists in Residence“-Programm der Camaro Stiftung.

Die Ausstellung stellt die Frage nach der Möglichkeit, in „Formen“ und „Codes“ dasjenige auszudrücken, vor dem wir uns verschließen oder wegschauen. Sie thematisiert, was uns fehlt oder worauf wir bewusst nicht verzichten wollen, kurzum: Es geht um die eigenen Bedürfnisse in persönlichen Geschichten – etwa den Wunsch nach Gefühlen, Bindung, intensivem Erleben –, die unsere privaten „Mikro-Welten“ prägen. Sie haben auch Auswirkungen auf unser Verhältnis zur Gemeinschaft, auf das was bleibt und weiter besteht.

Kurator*innen, Projektkoordination: Michał Markiewicz, Dagmar Schmengler

 

Aleksandra Kubiak, Postkarte/ Collage, 2020, entstanden während der aktuellen Dreharbeiten im historischen Kino in Zielona Góra, Foto: Krzysztof Gawałkiewicz, mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin/ Aleksandra Kubiak

Aleksandra Kubiaks neuestes Projekt, ein performativer Film, erzählt von verschiedenen Liebesbeziehungen. Auch ihr Ausgangspunkt ist die Biografie von Alexander Camaro. Das verbindende Moment beider Künstler*innen ist das Experimentelle in der Kunst: Bühne und Theater, Performance und Reflexion über den Zustand der Welt, aber auch die frühen traumatischen Erlebnisse. In ihrem Film verhilft Kubiak der (Kunst-)Figur – er ist Maler, Dichter, Florist und Seilspringer – zum Leben: Wir erfahren von seinen besonderen Wünschen, Träumen und Ängsten, doch bleibt er wandelbar und schillernd.

Die Kulisse dieses Films bietet das verlassene Gebäude eines historischen Kinos in Zielona Góra.

Alexander Camaro, Lustmord, 1946, Öl auf Leinwand, Camaro Stiftung, Foto: Eric Tschernow, © Camaro Stiftung/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Alexander Camaro hat sich als Maler der Nachkriegsmoderne zeitlebens mit traumatischen Erlebnissen künstlerisch auseinandergesetzt. Durch vielfache Bearbeitung und Anpassung an andere Kontexte hat er die nötige Distanz herstellen können, um sowohl das Trauma als auch das mögliche imaginäre Umfeld des Traumas thematisieren zu können. Visuelle Variationen traumatischer Erfahrung finden sich etwa in Gemälden – Camaro bedient sich Allegorien, Metaphern und Codes, durch die Zeichen von Gewalt transportiert werden.

Michał Jankowski, Collage aus seiner Porträtserie The Blind, 2020,
Öl auf Leinwand, Foto: Michał Jankowski, mit freundlicher Genehmigung des Künstlers/ Michał Jankowski

 

 

Die Porträts aus Michał Jankowskis neuer Serie The Blind (2020) sind eine Allegorie unserer selbst: Jankowski zeigt einen Querschnitt der Gesellschaft, durchgräbt auf diese Weise die Vielfalt an Positionen und Denkstrukturen. Gefangen in den eigenen, vermeintlich korrekten Denkmustern kann jede*r einzelne von uns verblendet oder sogar „blind” erscheinen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Michał Jankowski (*1977 Zielona Góra) ist Maler. Er bezieht sich bewusst auf die Traditionen der Avantgarde, unter anderem des Surrealismus, und definiert diese neu. Bevorzugt auf ironische Weise zeigt Jankowski die verborgenen und grausamen menschlichen Triebe. Seine Malerei ist eine Allegorie der untergehenden Wirklichkeit und zugleich eine offene Konfrontation der sich daraus entfaltenden Perspektiven. Jankowskis Werke wurden in Polen und im europäischen Ausland erfolgreich ausgestellt. Seine Gemälde sind in zahlreichen internationalen Museen und Privatsammlungen vertreten.

 

Aleksandra Kubiak (*1978 Lubań) ist eine intermediale Künstlerin, die sich in Performances, Filmen, raumgreifenden Objekten und Skulpturen ausdrückt. In den Jahren 2002–2013 wirkte sie gemeinsam mit Karolina Wiktor als die Chief Judge Group. Seit 2014 arbeitet sie an einer multimedialen autobiografischen Werkreihe, einer Verarbeitung von familiären Situationen. Sie arbeitet bevorzugt und häufig mit Schauspieler*innen zusammen, schreibt Drehbücher, Texte und führt Regie. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Polen und im europäischen Ausland präsentiert. 2015 erhielt sie ein Stipendium des Polnischen Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe. Seit 2017 ist sie außerdem als Dozentin an der Kunstfakultät, am Institut für Visuelle Kunst an der Universität Zielona Góra tätig.

 

 

 

 

 

 

 

Lives in between II

Die Ausstellung thematisiert in ihreminterdisziplinären Ansatz Architektur, Malerei und Tanz. Sie knüpft an die traditionsreiche sowie vielgestaltige kulturelle Wegeverbindung der Städte Berlin und Breslau/Wrocławan. Berlin und das polnische Wrocławpflegen eine engagierte Städtefreundschaft. Seit 2016 – Wrocławgenoss den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt – verkehrt der so genannte Kulturzug in Direktfahrt zwischen den beiden Städten, eine Vielzahl an wechselseitigen Kulturinitiativen stärkt die Beziehungen.

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Alexander Camaro i Wrocław

„Er liebte alles an Breslau, seine Jugend, seine Malerei und sein Studium bei
Otto Mueller und er liebte es immer – sein Leben lang …“
Renata Camaro über Alexander Camaro, 2004

Alexander Camaro (1901 Breslau–Berlin 1992) gilt als der bedeutendste Schüler des international bekannten Expressionisten und Brücke-Malers Otto Mueller.

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Alexander Camaro und Breslau

Eine Ausstellung des Schlesischen Museums zu Görlitz in Zusammenarbeit mit der Alexander und Renata Camaro Stiftung und dem Muzeum Miejskie Wrocławia (Städtisches Museum Wrocław)

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Alexander Camaro und Breslau

Eröffnung am Donnerstag, 4.4.2019, 19 Uhr

„Er liebte alles an Breslau, seine Jugend, seine Malerei und sein Studium bei
Otto Mueller und er liebte es immer – sein Leben lang …“
Renata Camaro über Alexander Camaro, 2004

 

Mehr zur Ausstellung finden sie hier.