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Ausstellung

Walter Barrientos

Gemälde und neue experimentelle Monotypien

Camaro Haus, Potsdamer Str. 98 A, 10785 Berlin

Walter Barrientos, La Grande Odalisque, 2014, Mischtechnik,
Stoff, Farbe, Stickerei auf Leinwand © Walter Barrientos

Wir verlängern! Ab Di, 5. Mai – Sa, 20. Juni 2020 können Sie die Ausstellung nun wieder vor Ort besuchen.

 

Bezüglich der Öffnung für Publikumsverkehr halten wir uns an die allgemeinen Empfehlungen, d.h. ein Besuch ist nur einzeln oder in kleinen Gruppen nach Voranmeldung möglich.

Wir bitten um Voranmeldung unter: info@camaro-stiftung.de oder 0171 966 3879 (Beatrice Magnus-Wiebel, Büro).

 

 

Seit 2019 vergibt die Alexander und Renata Camaro Stiftung gemeinsam mit dem Kunstzentrum „Le RESERVOIR“ Art et Patrimoine, Sète Arbeitsstipendien für Künstler*innen in Südfrankreich und Berlin. Der ursprünglich aus Peru/ Südamerika stammende Walter Barrientos war Artist in Residence in Berlin. Seine Arbeiten – vor allem Gemälde und experimentelle Monotypien – spüren sowohl alter als auch neuer Kunst- und Kulturgeschichte nach. Indigene Kulturen Amerikas und europäische Einflüsse treten in einen Dialog und ergeben aktuelle Fragestellungen.

In der Gegenüberstellung mit Alexander Camaro zeigen sich thematische und methodische Übereinstimmungen: Anregungen aus Barrientos Heimat Südamerika und das intermediale Interesse beider Künstler lässt deren Werke in einen spannungsreichen Diskurs treten.

 

Walter Barrientos, La grande Odalisque, 2014, Mischtechnik, Stoff, Farbe, Stickerei auf Leinwand © Walter Barrientos
Walter Barrientos, Venus, 2014, Stoff, Mischtechnik, Farbe, Stickerei auf Leinwand © Walter Barrientos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

La Grande Odalisque und Venus

Mit der Malerei habe ich eine andere Art entdeckt, Farbe lebendig zu machen, eine andere Art, Raum zu füllen und eine andere Art, mein Material zu verwenden.
Walter Barrientos

Zu Walter Barrientos Werkreihe Série Classiques Revisités gehören auch die beiden 2014 entstandenen Gemälde La Grande Odalisque und Venus.
An diesen Arbeiten zeigt sich ein Trend – die Orientierung der Gegenwartskunst an Alten Meistern und deren kunsthistorischen Techniken, in einem freien und zugleich spielerischen Rückgriff auf berühmte Meisterwerke: z.B. auf Ingres La grande Odalisque, 1814 (Louvre, Paris), auf Botticellis Venus in Die Geburt der Venus, 1484/89 (Uffizien, Florenz) und auf Vermeers Das Mädchen mit dem Perlenohrring, 1665 (Mauritshuis, Den Haag).

 

La Grande Odalisque

Die von Ingres als Rückenakt dargestellte Konkubine überführt Barrientos in seiner Grande Odalisque in ein Bildnis vor leuchtend orangefarbenem Hintergrund. Es fallen besonders ihr psychologisierend-fragender Schulterblick ins Auge, ihr aus Stoffresten in Flächen eingeteiltes Gesicht und ihr turbanartiges Gebinde um den Kopf. Barrientos verweist auf das kunstgeschichtliche Vorbild von Ingres einerseits, mit der Wahl seines Bildausschnitts und der Interpretation desselben andererseits auf den französischen Künstlerkollegen Martial Raysse und dessen Arbeit Made in Japan – La Grande Odalisque, 1964 (Centre Pompidou, Paris). Die leuchtenden Farben und Stoffmuster Barrientos’ peruanischer Herkunft wie auch seiner Wahlheimat in Frankreich sind eigene Bildfindungen, zugleich scheint ihm ebenso wie Raysse der kunsthistorische Diskurs um Ingres Gemälde bekannt zu sein. Ingres Odalisque wird verfremdet, „zweckentfremdet“, mit Hilfe einer Ästhetisierung des Ethnischen. Damit schafft Barrientos etwas Neues und Eigenes, mit dem er zu gesellschaftlichen und kulturellen Reflexionen anregt.

 

 

Walter Barrientos

geboren 1960 in Cuzco, Peru (einstige Hauptstadt des Inka-Reiches)
lebt und arbeitet in Toulouse, Frankreich

Walter Barrientos, 2020 © Walter Barrientos

 

1981–85
Studium an den Kunstakademien in Lima und Cuzco, Schwerpunkt: Zeichnung und Radierung, Grundklasse Malerei.
1986–88
Professur für Drucktechnik an der Universidad nacional de bellas artes de Cuzco.
1989
Ankunft in Montpellier auf Einladung der École des Beaux-Arts für eine Spezialisierung in Drucktechniken.
Gründung eines Ateliers für Radierung in Saint-Guilhem-le-Désert.
1989–93
Professur für Drucktechniken an der École des Beaux-Arts de Montpellier.
1990–2018
Barrientos widmet sich soziokulturellen Projekten im Bereich der Kunstvermittlung in Frankreich und Europa.
1992
Gründung eines selbstständigen Ateliers für Radierung in Montpellier, das später das bekannte „La Maison de la Gravure Méditerranée“ wird.
1996
Aufenthalt in Peru, Guatemala und Mexiko. Barrientos trifft Subcomandante Marcos, den zapatistischen Freiheitskämpfer im Aufstand von San Cristobal de las Casas (Chiapas, Mexiko). Realisierung monumentaler Malerei mit Zapatisten-Kindern, die in ganz Chiapas und verschiedenen südamerikanischen Ländern gezeigt wird sowie auf solidarischen Demonstrationen in Frankreich und Belgien.
Gründung eines alternativen Museums in einem Widerstandscamp der Zapatisten in Chiapas.
2011
Gründung eines Ateliers für Radierung im Centre d’Art contemporain d’Essaouira, Marokko.

 

Ausstellungen und Preise

Mehrere nationale Auszeichnungen und Ehrungen in Peru (Lima, Cuzco).
Zahlreiche internationale Einzel- und Gruppenausstellungen, v.a. in Europa und Nordamerika.
2020 Artist in Residence mit eigener Druckwerkstatt im Camaro Haus, Berlin.

 

 

 

Rahmenprogramm zur Ausstellung (bis auf Weiteres abgesagt)

Mo, 6.4. 2020, 18 Uhr
Künstlergespräch mit Walter Barrientos
in Zusammenarbeit mit dem Ibero-Amerikanischen Institut

Mi, 29.4. – Do, 30.4.2020, jeweils 17.30–20 Uhr
Zweitägiger Workshop Einführung in die „Tectonica“ (experimentelle Drucktechnik)
unter Anleitung von Walter Barrientos
Teilnahmegebühr: 20 Euro
Anmeldung unter: info@camaro-stiftung.de oder 030 – 26392975

 

Weitere aktuelle Ausstellungen in der Camaro Stiftung

Ausstellung
 — Camaro Haus
Alexander Camaro – LunaparkSchaubühne, Budenzauber und Vergnügungswelt
Aufgrund der Corona-Beschränkungen bleibt das Camaro Haus vorerst geschlossen. Die Ausstellung „Alexander Camaro – Lunapark. Schaubühne, Budenzauber und Vergnügungswelt“ pausiert daher ebenfalls bis auf Weiteres und wird nach dem Ende der Beschränkungen wieder für Sie zu sehen sein.   Der interdisziplinär arbeitende Künstler Alexander Camaro (1901–1992) hinterließ ein umfängliches Werk rund um die Welt der Rummelplätze und Vergnügungsparks. Es ist eine Welt, die er aus seiner Jugend in Breslau kannte, wo er mit Schaustellern, Musikern, Artistinnen und Artisten aus dem Umfeld des Lunaparks in Kontakt kam, und die für ihn auch später im Nachkriegsberlin nichts an Faszinationskraft verlor. Camaros Blick ist so eigenwillig wie einzigartig. Seine Bilder und Texte erzählen von der traurig-schönen Wahrheit der Bühnen und Buden, aber auch von verlassenen Festplätzen und der Vereinzelung des Menschen: Freude und Verklärung, Schmerz und Trauer fließen zusammen. Steht bei Camaro der Lunapark als Chiffre für eine unwiederbringliche Zeit? Ist es die Wehmut an unbeschwerte Kindheitstage und die Jugend, die sich dann später mit Erlebtem und Erlittenem der Kriegszeiten mischt und in den Berliner Nachkriegsjahren durch Unsicherheit und Desillusion ihren Ausdruck sucht? Und was bedeutet er, der Lunapark, für uns im 21. Jahrhundert: für uns Berlinerinnen und Berliner? Was ist für uns heute an diesem Bild – oder besser noch: gerade jetzt – aktuell, bewegend oder gar berührend? Alexander Camaro vertrat die Auffassung, dass die Schaustellerzunft und das Artistentum – ob ihrer freien Haltung und ihres körperlichen Einsatzes – einen eigenen und unantastbaren künstlerischen Ausdruck haben. So möchte die Ausstellung im Camaro Haus mit einer persönlich erzählten Geschichte außerdem auf die Lage besonderer sozialer Gruppen und womöglich verschwindenden Kulturen aufmerksam machen, deren Existenz es aktuell zu wahren gilt.   Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im be.bra-Verlag, erhältlich zum Preis von 25,– €. Zum Katalog geht es hier.Camaro HausPotsdamer Str. 98 A10785 Berlin+49 (0)30. 263 929 75MehrTeilenTermin speichern